AKTION NISKO,  LAGER SOSNOWIEC (OBERSCHLESIEN) UND  ANFÄNGE DES JÜDISCHEN LAGERS IN VYHNE (SLOWAKEI).

 

Eduard Nižòanský

 

 

         Der Holocaust hat bereits in seinen Anfängen in der Slowakei Fuß gefaßt. In der vorliegenden Studie versuche ich,  auf das in einer selbständigen Studie bis jetzt unbearbeitete Problem des jüdischen Lagers in Vyhne einzugehen. Das Lager in Vyhne[1] war nämlich das erste auf  slowakischen Gebiet entstandene Lager. Seine Gründung steht dabei im direkten Zusammenhang mit den ersten durchgeführten Deportationen im nazistischen Deutschland - mit der Aktion Nisko[2].

         Im Falle der Aktion Nisko ging es um den ersten organisierten Versuch die jüdische Frage durch Deportationen auf das Gebiet des Generalgouvernement  nach Nisko am  San zu “lösen”. Aus Wien[3], Ostrava[4] und Katowice wurden 6 Transporte nach Nisko entsandt. In dieser Studie versuche ich,  den Kenntnisstand des siebten Transports betreffend voranzubringen, der zwar am 1. November  Ostrava verlassen hatte, jedoch  den Fluss wegen der zusammengefallenen Brücke nicht durchschreiten konnte. Der Transport bestand aus 317 Männern, die der Dienststelle der Gestapo in Ostrava am 28.10.1939 von der Prager Gestapo übergeben wurden, mit dem Befehl diese nach Nisko zu schicken.   M. Kárný geht davon aus, dass die Insassen des Transports entweder polnische Staatsangehörige oder Juden polnischer Herkunft waren[5]. Der Transport ist in Nisko jedoch nie angekommen. Die Juden wurden nach  Oberschlesien geschickt und anschließend wurde für sie das Lager in Sosnowiec gegründet.

         Bisher gibt es in der bestehenden Literatur nur kleine Randbemerkungen darüber, dass die Juden aus diesem Lager schließlich in die Slowakei kamen[6].

         Im  Brief von Herbert Katzki (American Jewish Joint Distribution Commitee  - abgekürzt American Joint, Paris) an Morris C.Troper (American Joint, New York) von 7. März 1940 können wir lesen: „(...)we advised you that a group of 320 Jewish peaple in the Sosnowitz had been admitted to Slovakia.“[7]

         Die Archivforschung in der Slowakei[8] wies nach, dass die Jüdische Zentralkanzlei in der Slowakei[9] (die ehemaligen Zionisten aus der Jüdischen Partei) am 14.12.1939 an das slowakischen Innenministerium einen Antrag stellte, in dem es bat, den 275 Juden aus Sosnowiec  den Aufenthalt in der Slowakei zu genehmigen. Am 29.1.1939 hat das Innenministerium diese Genehmigung tatsächlich erteilt. Kurz darauf kamen diese Juden also nach Vyhne. Hier sollte ihnen Unterkunft geboten und eine anschließend Emigration ermöglicht werden. Anfang Februar (am 8.2.) 1940 kam in Vyhne ein Transport aus Polen an, worauf in dem hiesigen Kurort ein Lager unter der Bezeichnung “Jüdische Auswanderungsgruppe” gegründet wurde. Mit der direkten Aufsicht über das Lager wurde (im Unterschied zu den später in Sereï und Nováky gegründeten jüdischen Arbeitslagern) der Kreisleiter in Nová Baòa beauftragt. Er wurde bevollmächtigt, die zum Verlassen des Lagers erforderliche Passierscheine auszustellen[10]. Die Hauptaufsicht führte die hiesige Kommandantur der Hlinka-Garden[11], geleitet von Isidor Luptovský.  Die Gründungs- und Betriebskosten hat die weltweit verbreitete jüdische Organisation American Jewish Joint Distribution Commitee (abgekürzt American Joint) übernommen. Ihre Hauptaufgabe war den vor allem aus Deutschland emigrierenden Juden zu helfen[12]. Es ging also um eine gemeinsame Aktion des American Joint und des Jüdischen Zentralbüros.

         Das slowakische Innenministerium hat in vier Punkten genau festgelegt unter welchen Bedingungen den in Vyhne ankommenden Juden der Aufenthalt genehmigt werden dürfte. .

         “1/ In die Liste eingetragene Personen dürfen sich auf dem Gebiet der Slowakischen Republik zwischen zwei und drei Monaten aufhalten, allerdings nur  dort, wo es nachträglich bestimmt wird,

         2/ im Antrag genannte Organisationen übernehmen, unter den geläufigen, der festgelegten Bedingungen Slowakischen Nationalbank, die Unterbringungskosten für die gesamte Zeitdauer ihres Aufenthalts auf dem Gebiet der Slowakischen Republik,

         3/ die Bewachung der Personen wird auf Kosten der gennanten Organisationen der Hlinka-Garden durchgeführt,

         4/ die in die beigelegte Namensliste eingetragenen Personen werden zu vorher festgelegter Zeit von jeweils einem Vertreter der Polizei und der [oben angeführten - E.N] Organisationen an der Grenze übernommen.[13]

         Warum man für das Lager ausgerechnet Vyhne aussuchte, lässt sich damit begründen, dass die Einrichtungen und Anlagen des hiesigen Kurorts zu der Zeit unbenutzt standen und die Besitzerin Dr. Alžbeta Forgáèová geb. Ungárová, wohnhaft in Budapest[14], eine Jüdin war. Nicht auszuschließen ist, dass auch die günstige Lage in Abgeschiedenheit eine entscheidende Rolle spielte. Der nächste Bahnhof war in dem 7 km entfernten Dorf Bzenica,  um nach Vyhne zu gelangen, mußte man weiter zu Fuß laufen. Zu den Kurortanlagen gehörten 4 Gebäude, in denen nun die deportierten Juden untergebracht waren. Im Kurort hat sich zu der Zeit die Mitbesitzerin des Kurorts, Helena Ungárová geb. Hellová mit ihrem Sohn, Dr. I. Ungár aufgehalten. Zumindest bis zu ihrer erzwungenen Abreise im Jahre 1941 leisteten sie der sich in Vyhne aufhaltenden Gruppe Beistand und Hilfe[15]. 

         Das Innenministerium ging davon aus, daß die ganze Gruppe im Laufe der folgenden Monate auswandern würde. Eine ähnliche Entwicklung haben auch das Jüdische Zentralbüro und American Joint erwartet. Die Situation entwickelte sich jedoch anders.

         Bereits am 13.2.1940 gingen fünf Juden als Vertreter dieser Gruppe[16] nach Bratislava, wo sie durch Verhandlungen mit den Zuständigen der Ausländerabteilung des Polizeidirektoriums Bratislavas zu der Lösung der Frage der Ausgetriebenen beitragen sollten[17].

         Am 12.2.1940 wurde die erste Liste, der 205 sich im Lager befindenden Juden erstellt[18]. Von diesen blieben jedoch nur 200 im Lager. Das würde bedeuten, daß im Gegensatz zu den früheren Angaben (260 oder 275)[19] in der Tat nur 205 Personen in der Slowakei auch ankamen.  In die Liste vom 16.9.1940 sind bereit 224 Männernamen eingetragen[20]. Die darauffolgende Liste vom 16.12.1940 gibt schon 228 Männer an, von denen sich 68 außerhalb des Lagers befanden. Ihre Abwesenheit wurde dreierlei begründet - als Urlaub, Delegation nach Bratislava oder ärztliche Behandlung im Krankenhaus in Bratislava bzw. Piešany.[21]

         In der monatlich für das Innenministerium zu erstellenden Meldung des Notariats in Vyhne  vom 20.2.1941 wurde die Anzahl der sich im Lager befindenden Personen an  die 250 geschätzt[22].

         Anhand des Vergleichs von bestehenden Listen läßt sich darauf schließen, daß es  zumindest einigen von ihnen gelungen ist, das Land zu verlassen (zu emigrieren).

Auf der Liste vom September 1940 fehlen nämlich 25 (22?) Männer, deren Namen die ursprüngliche Liste vom Februar noch enthält[23]. In das Verzeichnis vom 16.9.1940 sind bereits 224 Namen eingetragen, was darauf hinweist, daß zu den alten 44 neue Namen kamen. Aus dieser letzten Namensliste ergibt sich folgendes:  215 von ihnen hatten eine umstrittene Staatsangehörigkeit, fünf  die Staatsangehörigkeit des Protektorats, drei  von ihnen gehörten dem Generalgouvernement an und einer  hatte die deutsche Staatsangehörigkeit. In  dem Verzeichnis vom Dezember 1940 befinden sich im Vergleich mit dem im September 1940 verfaßten  Verzeichnis vier neue Namen, woraus man  schließen kann, dass im Verlauf des Jahres 1940 weitere 49 Juden hinaus kamen. Die Analyse der Namensliste vom Dezember 1940 nach Geburtsorten geodnet,  zeigte, dass 117 Personen auf dem Gebiet der damaligen Sowjetunion, 40 auf dem Gebiet des Gouvernements, 35 auf dem Gebiet des Protektorats Tschechei und Mähren, 30 in Deutschland, zwei  in der Slowakei, zwei  in Ungarn und jeweils einer  in Jugoslawien und Litauen geboren wurde. Das würde bedeuten, dass 157 von den untersuchten Personen auf ehemaligem polnischem  Gebiet geboren wurden. Kurz gefaßt nach  der Charakteristik  M. Kárnýs ging es in 68,86% der Fälle um polnische Juden, oder um in Polen geborene Juden[24].

         Auf den Namenslisten “B” und “C”, angefertigt kurz vor den Deportationen der Juden aus der Slowakei, im März 1942, finden wir noch 112 Namen auf der Liste aus Vyhne vom Februar 1940[25]. Nach dem heutigen Kenntnisstand kann man nicht behaupten, dass es allen in der Liste eingetragenen Juden geglückt war, zu emigrieren.

         Die “A” Liste enthält 84 Frauennamen, von denen man sich nicht sicher ist,  wann  diese Frauen nach Vyhne kamen. Von dem Aufenthalt der Frauen sind wir aber auch  dank einer anderen Quelle informiert. Dem Antrag um Erteilung des amerikanischen Visums für Severín Rübner sind noch weitere Anträge beigefügt: für seine Frau E. Rübnerová, geb. Lernerová, die sich in Vyhne angeblich seit dem 18.9.1941 befand, und für seine Söhne Pavol und Arnošt, die man auf der Liste gar nicht finden kann. Ein anderes Beispiel ist der Fall von Dr. Rosenkranz. Im Verzeichnis finden wir auch seine Frau Sch. Rosenkranz, geb. Grünberg, die sich in Vyhne seit dem 18.6.1940 hätte befinden sollen. Bei G. Zauder ist auch seine Frau Prima und Tochter Ruth Zauder angeführt, die nach Vyhne 6.6.1940 gekommen seien. Bei Frau M. Strudler sind auch ihre Töchter Hinde Strudlerova, geb. Tepper und Klara Strudler  angeführt, die sich in Vyhne seit dem 3.7.1940 befinden sollten[26].

Daß sich im Lager noch mehrere Frauen und Kinder befanden, geht auch aus dem Brief der Zentrale des staatlichen Sicherheitsdienstes (weiter ZsSD) an das Kreisamt in Nová Baòa vom 7.1.1941 hervor: “ ... Frau Fany Günsberg und ihre Kinder Kurt und Lucia, sowie Frau Františka Csarme Schrager mit ihren Kindern Janina, Sidonia und Jenia sind aus der Haft zu entlassen. Die Entlassenen können nur gegen ihr verbindliches Versprechen entlassen werden, daß sie mit dem ersten Transport der Juden die Slowakei verlassen.”[27]

         Das Innenministerium teilt dem Kreisamt im Brief vom 14.2.1942 die aktuelle Anzahl der Lagerinsassen - 301 Juden mit. Dem Brief liegt jedoch kein Verzeichnis bei.[28]

         Nicht mal der Kreisleiter zeigte ein erkennbares Interesse am Geschehen im Lager. In den sog. Situationsmeldungen, die er (ebenfalls wie alle anderen Bezirkskommandanten in der Slowakei) monatlich zu erstellen und dem ZsSD zuzuschicken hatte, wird das Lager in den im Jahre 1940 verfaßten Meldungen in Vyhne kein einziges mal erwähnt. Die Antwort auf die Warum-Frage finden wir in einer für den ZsSD bestimmten Meldung vom 1941: “Schließlich bleibt noch anzumerken, daß mich die mir anvertrauten Aufgaben dermaßen in Anspruch  nehmen, daß ich nicht mal monatlich einen Besuch in Vyhne abstatten kann und das Lager nur in dem Falle aufsuche, wenn mir irgendwelche Ungehörigkeiten gemeldet werden. Das Lager ist nämlich vom Bezirkssitz 27 km entfernt, eine direkte Bahnverbindung mit Vyhne gibt es nicht, der Zug fährt nur bis nach Bzenica von woher das Lager weitere 7 km entfernt liegt, so daß die regelmäßigen Besuche sehr aufwändig sind.”[29]

         Vom Bestehen des Lagers finden wir auch in den Sitzungsprotokollen des Gemeinderats nur spärlich eine Erwähnung.  Nur in einem Protokoll (vom 2.4.1941) findet man zwei Anmerkungen über das Lager. Der Gemeinderat genehmigte der Auswanderungsgruppe die Ausleihung der Feuerwehrspritze zwecks Wasserbeseitigung,  und der Bürgermeister wurde beauftragt, einen  geeigneten Platz für die Errichtung einer Müllhalde zu bestimmen[30].

         Die meisten von den erhaltenen Dokumenten stammen aus der ersten Phase  des Bestehens des Lagers (8.2.1940 - 14.2.1942) und betreffen die freie Bewegung der Juden außerhalb des Lagers bzw. die Überwachung ihrer freien Bewegung außerhalb des Lagers. Wie schon oben erwähnt befanden sich, laut der Meldung vom Dezember 1940 68 (bzw. 69) Insassen außerhalb des Lagers.

         1941 begann man die freie Bewegung der Juden außerhalb des Lagers streng zu überwachen.

         Am 7.1.1941 erteilte der ZsSD dem Kreisleiter ein schriftliches Verbot Passierscheine auszustellen: “In der Zukunft gilt es, sich vor dem Ausstellen eines Passierscheins mit einem Genehmigungsantrag an  den ZsSD zu wenden. In dem Antrag ist der Aufenthaltsort und der Zweck des Aufenthaltes  anzuführen“[31].

         Im Brief des ZsSD an den Kreisleiter von Nová Baòa, vom 26.2.1941, wurde das Verbot, den sich im Lager aufhaltenden Juden Passierscheine auszustellen, nachdrücklich wiederholt, denn die Berechtigung Passierscheine auszustellen stehe nur dem ZsSD zu. Bei dieser Gelegenheit ordnete der ZsSD an, alle Juden sollen aufgefordert  werden bis zum 15.5.1941 in das Lager zurückzukehren und der Bezirkskommandant wurde verpflichtet, bis zum 20.5.1941 die noch nicht zurückgekehrten Juden zu melden. Dem Kreisleiter wurde auferlegt “... daß den Kontakten und Tätigkeiten der sich im Lager befindenden Juden wachsame Aufmerksamkeit gewidmet wird. Jedes beachtenswerte Ereignis bzw. Kontakte dem ZsSD sofort zu melden“[32].

         Der Kreisleiter antwortete bereits am 19.5.1941, wobei er sich hinsichtlich des Aufhaltens der Juden außerhalb des Lagers folglich äußerte: “Was die Passierscheine der Juden betrifft, führe ich an, daß ich sie auch bis jetzt nicht nur kraft des eigenen Amtes ausstellte, sondern nur mit Einwilligung des Amtsinhabers Dr. Mišík, der mir dazu Vollmacht erteilte. Herr Dr. Jakubócsi (Auslandsbehörde des Polizeidirektoriums – E.N.) kann dies bezeugen. In der beigelegten Liste sind Juden angeführt, die sich im Urlaub befinden und die bei der Leitung des Lagers einen Antrag um Erteilung eines Passierscheins beauftragten, um sich bei Verwandten oder Bekannten aufhalten zu dürfen, so daß sie in der Sache der Unterkunft und Verpflegung dem Lager nicht zur Last fallen, wodurch die zur Verfügung stehenden Mittel für die im Lager gebliebene genutzt werden können. Die Leitung des Lagers bekommt 6,- Ks pro Kopf und Tag.”[33] Vereinfacht würde der Brief darüber aussagen, daß zu der Zeit nur sehr knappe Gelder zur Deckung der Betriebskosten zur Verfügung standen.

         Am 15.5.1941 waren dreiundzwanzig von den Insassen im Lager noch nicht eingetroffen. Am 20.5.1941 fehlten immer noch vier. Das Kreisamt hat im Brief an den ZsSD für diesen Tatbestand den Gesundheitszustand angeführt. Zwölf Juden hatten laut des Kreisleiters  Erlaubnis nicht ins Lager zurückkehren müssen,  (M. Krauthammer stellte z.B. an ZsSD einen Antrag um Erlaubnis, sich aus gesundheitlichen Gründen in Žilina aufhalten zu dürfen, vier weitere hielten sich  im Krankenhaus auf).

         Am 30.5.1941 wandten sich an ZsSD Aron Smorgonski[34], Dr. Einhorn und Bernh. Wildmann als Vertreter der sich im Lager befindenden Juden. Sie kamen, um um Erlaubnis für 13 Juden zu bitten, sich außerhalb des Lagers in Vyhne aufhalten zu dürfen. Als Grund wurden gesundheitliche Beschwerden oder Aufenthalt bei Verwandten angeführt. Zugleich haben sie die Bitte der jüdischen Leitung des Lagers an ZsSD vermittelt, mehreren jungen Juden, mittels der Jüdische Zentrale[35]  Aufenthalt im Hachscharah zu ermöglichen, wo sie an einer Umschulung auf einen neuen Beruf teinehmen konnten. Weiter hat die  Delegation um Arbeitserlaubnis für einige Techniker und Ingeneure gebeten, denen vom Verkehrsministerium ein Arbeitsvertrag geboten wurde[36]. Die Antwort auf diese Bitte ist nicht bekannt.

         Kurz danach, am 18.6.1941, teilte der ZsSD dem Kreisleiter in Nová Baòa mit, ohne den vorherigen Antrag der jüdischen Leitung des Lagers erwähnt zu haben, fünf Anträge auf Aufenthaltserlaubnis außerhalb des Lagers abgelehnt und zehn genehmigt zu haben, drei  weitere wurden aufgefordert ins Lager zurückzukehren. Dem Kreisleiter wurde auferlegt, sich im Krankenhaus über ihr Gesundheitszustand  informieren zu lassen.[37]

         Der Vollständigkeit wegen sollte noch hinzugefügt werden, daß noch eine Meldung der Dienststelle der Gendarmerie, diesmal aus dem Jahre 1942, bekannt ist, in dem steht, daß sechs Juden immer noch nicht ins Lager zurückgekehrt sind, wobei A. Hammerschlag gerade Wehrdienst leistete. Aus der gleichen Meldung stammt die Information von der Deportation von H. Jakobowitz aus Žilina und K. Berger aus Banská Štiavnica in ein Konzentrationsstelle und von da aus  in eines der Vernichtungslager. F. Borger kehrte, laut der Meldung, ins Lager bereits im Mai 1941, aber im März 1942 flüchtete er und von seinem Aufenthaltsort ist nichts weiteres bekannt[38].

         In der Zeit der Deportation der Juden aus der Slowakei, nach der Einführung der Regierungsanweisung – des sog. jüdischen Kodex, d.h. nach dem 9.9.1941 kam auch im Lager in Vyhne zu Veränderungen. Die zweite Phase des Bestehens des Lagers begann. Am 14.2.1942 wurde auf Anordnung des Innenministeriums der Charakter des Lagers geändert. Von nun ab gehörte das Lager in Vyhne zu den jüdischen Arbeitslagern (ähnlich wie Nováky oder Sereï) und Ján Gindl[39] wurde zum Lagerkommandant ernannt. Die Juden mußten ab sofort arbeiten und zwar von 6 Uhr Morgens bis 12 Uhr Mittags mit einer Viertelstunde Pause und dann weiter von 14 bis 20 Uhr auch mit  nur einer viertelständigen Pause Unterbrechung. Aus den Dokumenten geht hervor, daß weder der ZsSD noch das Innenministerium über ausführlichere Informationen über das Lager in Vyhne verfügte[40].

         Nach der Umfunktionierung des Lagers in ein Arbeitslager kam es zwischen dem für Vyhne zuständigen Regierungskomisar I. Luptovský und dem Lagerkommandant Ján Gindl zu Streitigkeiten darüber, was die Juden eigentlich zu tun haben. J. Gindl bestand auf die Renovierung des Kurorts bzw. auf den Aufbau eines Schwimmbeckens, denn die Juden seien dem staatlichen Kurort noch Unterkunfts- und Verpflegungskosten schuld.  Die Angabe über Schulden der Juden gegenüber dem staatlichen Unternehmen hängt damit zusammen, daß der Kurort in  staatliche Verwaltung überging und zum zeitweiligen Verwalter der hiesige Notar ¼. Kòazovický ernannt wurde[41].

         Zum Schluß noch ein paar zusammenfassende Anmerkungen zum Bestehen des Arbeitslagers in Vyhne. Die Aufgabe aller drei Arbeitslagern in der Slowakei - in Nováky, Sereï und Vyhne war: “... die Juden zu konzentrieren, sie aus dem sozialen und wirtschaftlichen Leben auszuschließen, ihnen dadurch die Kontakte mit der nicht jüdischen Bevölkerung zu verhindern, und die Arbeitsfähigkeit der  Juden bei dem auf dem slowakischen Arbeitsmarkt fortdauernden Mangel an Arbeitskräften auszunutzen...”[42].  Mit der Leitung des Lagers wurde ein Lagerkommandant beauftragt. Darüber, wie das Lager wirtschaftet, hielt der Lagerbuchhalter Aufsicht. Hilfs- und Beratungsorgan des Lagerkommandants war der Judenrat. Mit dem Überwachungsdienst wurde Hlinka-Garden beauftragt.

Anfang des Jahres 1943 befanden sich 300 Persone im Lager, davon 187 Männer und 113 Frauen. Die Hauptbeschäftigung im Lager waren Bauarbeiten für den vom Staat verwalteten Kurort bzw. Bau des bereits erwähnten Schwimmbeckens. Im Lager gab es neun Werkstätten: eine Konfektionswerkstatt, die Männeranzüge, Hosen, Damenunterwäsche u.ä. herstellte, zwei  Kürschnereien, wobei die erste Handschuhe, Westen,  Mützen, Mäntel u.a. anfertigte und die andere aus dem Lederabfall der ersten Gürtel, Taschen, Handtaschen, Geldbeutel, Lederarmbänder usw. herstellte. Die vierte Werkstatt war eine Mützenwerkstatt, die vorwiegend Mützen aller Art produzierte. Außerdem eine die Handschuhe herstellte, eine weitere erzeugte Netztaschen. Eine andere Spielzeuge, noch eine Polster und die letzte war eine Chemische Werkstatt, die  gleich nach der Bauarbeit die zweitgrößte Beschäftigung im Lager war.  Hier stellte man Wagenschmiere, Vaseline, Seife, Putzmittel u.a. her.[43] 

         Im Jahresbericht der jüdischen Arbeitslager und jüdischen Zentren für das Jahr 1943 finden wir (jetzt schon) einige Informationen über das Arbeitslager in Vyhne. Die Anzahl der beschäftigten stieg  auf 364 an, davon 230 Männer und 134 Frauen[44]. In diesem Jahr arbeiteten im Lager folgende Werkstätten: Tischlerei - Polsterei, Drechslerwerkstätte, Konfektionswerkstatt, Werkstatt für Handwerk, Werkstatt für Mützenherstellung, Kürschnerei und die Chemiewerkstatt. Der Gesamtumsatz für das Jahr 1943 betrug 7.290.458,- Ks, was 18,75% des von allen Arbeitslagern produzierten Umsatzes darstellte.

         In diesem Jahr wurde in Vyhne noch eine Tischlerei, Schlosserei und Chemiewerkstätte errichtet. Zu dieser Zeit arbeiteten die Männer 53 Wochenstunden, die Frauen 48. Die Lagerinsassen wurden für ihre Arbeit nicht direkt belohnt. Das Lager sorgte für ihre Unterkunft, Arbeitsbekleidung, Verpflegung und geringes Taschengeld. Der Verpflegungssatz wurde pro Tag und Kopf auf 7,- später 8,- Kronen  bestimmt.

Für kleinere Kinder wurde im Lager eine Art Kinderhort mit einer Lehrkraft für 15 Kinder errichtet. In der Schule wurden 27 Kinder von zwei  Lehrern unterrichtet. Der Unterricht dauerte für Kinder unter 10 Jahre 9 Stunden, für Kinder über 10 Jahre 7 Stunden, weitere zwei Stunden verrichteten sie leichtere körperliche Arbeiten[45].

         Im August 1944 nach dem Ausbruch des Slowakischen Nationalaufstandes  wurde die Tätigkeit des Lagers beendet und nie wiederaufgenommen.

         Anhand des heutigen Forschungstandes läßt sich die genaue Anzahl der überlebenden Juden aus Sosnowiec nicht bestimmen.

 

Univ.Doc.habil.E.Nižòanský, CSc.

Lehrstuhl für Geschichte

Universität in  Nitra

Hodžova 1, 949 74 Nitra

Slowakische  Republik



[1] Z.B. Ivan Kamenec, Po stopách tragédie, Bratislava 1991, Ladislav Lipscher, Židia v slovenskom štáte 1939-1945. Print-servis 1992, S.105, 161. Oskar Neumann, Im Schatten des Todes, Tel Aviv 1956, S.127.

[2] Seev Goshen, Eichmann und die Nisko-Aktion im Oktober 1939, In: Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte, 1.Heft, 1981, S.74-96. In dieser Studie gibt keine Bemerkung über den siebten Transport aus Ostrava. Christopher R.Browning, Nazi Resetlement Policy and the Search for a Solution to the Jewish Question 1939-1941, In: German Studies Review 9, 1986, Heft 3, S.497-519, Joony Moser, The First Experiment in Deportation, In: Simon Wiesental Center Annual, 1985, 2, S.1-30. Yehuda Bauer, Freikauf von Juden? Frankfurt am main 1996, S.94-5.

[3] Siehe  z.B. Joony Moser, Verfolgung der Juden, In: Widerstand und Verfolgung in Wien 1934-1945, III, Wien 1975, S.194-326.

[4] Zborník referátù z medzinárodní vìdecké konference Akce Nisko v historii „koneèného øešení židovské otázky“, k 55.výroèí první hromadné deportace evropských Židù, (red.L.Nesládková),.Ostrava 1995.

[5] Miroslav Kárný, „Koneèné øešení“. Genocida èeských židù v nìmecké protektorátní politice, Praha 1991, s.45. M.Borách schrieb  über 322 Männer. Siehe Meèislav Borák, Príprava a prùbìh niských transportù. In: Zborník referátù z medzinárodní vìdecké konference Akce Nisko v historii „koneèného øešení židovské otázky“, k 55.výroèí první hromadné deportace evropských Židù, (red.L.Nesládková),.Ostrava, 1995, S.104.

[6] Meèislav Borák, Príprava a prùbìh niských transportù. In: Zborník referátù z medzinárodní vìdecké konference Akce Nisko v historii „koneèného øešení židovské otázky“, k 55.výroèí první hromadné deportace evropských Židù, (red.L.Nesládková),.Ostrava, 1995, S.104.

 

[7] Archiv of the Holocaust, Vol.10, Part 2, edited by S.Milton and F.D.Bogin, New York, S.654.

[8] Slovenský národný archív Bratislava (weiter SNA), Fond 209 (Ústredòa štátnej bezpeènosti)  - (früher in Prag), SNA, Fond Innenministerium, Štátny okresný archív Žiar nad Hronom, so sídlom v Kremnici  (weiter ŠOKA Kremnica),  Fond Kreisamt Nová Baòa (weiter KNB), Fond Notariat Vyhne (weiter NV). Archiv im Museum des Slowakischen Nationalaufstandes in Banská Bystrica, mehrere Fonden.

[9] Im Jahren 1938/40 existierte in der Slowakei noch die „Zentralkanzlei der autonomen orthodoxen jüdischen Gemeinde“. Siehe Eduard Nižòanský, Die Deportation der Juden in der Zeit der autonomen Slowakei im November 1938, In: Jahrbuch für Antisemitismusforschung 7, 1998, S.20-45. Ders.,  Židovská komunita na Slovensku medzi èeskoslovenskou parlamentnou demokraciou a slovenským štátom v stredoeurópskom kontexte, Prešov 1999, S.163-180. Ders.,

[10] ŠOKA Kremnica, Fond KNB, Karton 27, 542/42 prez.

[11] Hlinka-Garden wuden als bewaffnete Truppen von Hlinkas Slowaksicher Volkspartei (die einzigste Partei in der Slowakei 1939-1945) eingerichtet.

[12] Siehe Yehuda Bauer, American Jewry and the Holocaust. The American Jewish Joint Distribution Committee 1939-1945, Detroit 1981.

[13] ŠOKA Kremnica, Fond KNB, Karton 27, 542/42 prez.

 

[14] ŠOKA Kremnica, Fond NV, Karton 135, 116/1940 prez., Karton 143, 1579/41 prez.

[15] ŠOKA Kremnica, Fond NV, Karton 143, 1579/41 prez.

 

[16] Dr.Mauricius Bohrer, Dr.Marcel Dische, Emanuel Eitinger, Jozef Wajc, Erich Stefan Bohrer.

[17] ŠOKA Kremnica, Fond KNB, Karton 27, 542/42 prez. Es bleibt noch hinzuzufügen, daß über den Verlauf der  Verhandlungen bis jetzt im Fond des Polizeidirektoriums kein schriftlicher Beleg gefunden wurde.

[18] ŠOKA Kremnica, Fond KNB, Karton 27, 542/42 prez. Es ist nur eine Namensliste  ohne jede andere Daten – z.B. Geburtsdatum, Geburtsort u.s.w.

[19] Oder 320 in der Meldung American Joint von Paris – siehe Anm.7.

[20] ŠOKA Kremnica, Fond NV, Karton 143, 431/1942 prez.

[21] Slowakisches Nationalarchiv, Fond 209, Karton 864/6.

[22] ŠOKA Kremnica, Fond NV, Karton 143, 1481/41 prez.

[23] Marzek Dische, Jakob Arfa, Ezechiel Brodt, Oskar Dominitz, Leser Eisen, Dr.Erwin Enoch, Ing.Siegfried Fuchs, Jakob Grünwald,  Dr.Oskar Halper, B.Hersch Hochdorf, Artur Karter, Erwin Karter, Siegfried Kirschner, Itzig Lerzenburg, Herschl Rabinowicz, Leiser Regenbogen, Erwin Lobe, Ing.Efraim Spira, Moritz Tramer, Isaak Wagschal, Walter Wulkan, Leon Zwilling. Problematickí sú aj  Erwin Guen,   Kurt Guen a Oskar Nagelberg.

[24] Siehe Anm. 3

[25] SNA, Fond Innenministerium, Karton 187, ohne Nummer.

[26] ŠOKA Kremnica, Fond NV, Karton 143, 953-974/41 prez.

[27] ŠOKA Kremnica, Fond KNB, Karton 27, 542/42 prez.

[28] ŠOKA Kremnica, Fond NV, Karton 143, 431/1942 prez.

[29] SNA, Fond 209, Karton 864/6.

[30] ŠOKA Kremnica, Fond NV, Gemeinderat Vyhne, ohne Nummer.

[31] ŠOKA Kremnica, Fond KNB, Karton 27, 542/42 prez.

[32] SNA, Fond 209, Karton 864/6.

[33] ŠOKA Kremnica, Fond KNB, Karton 27, 542/42  prez.

[34] „Die jüdische Lagerleitung befand sich damals in dem Händen der Sosnowitzer, einiger tüchtiger und kluger Männer, dem ruhigen und geschickten Dr.Einhorn, dem sehr intelligenten, aber seelisch etwas komplizierten Ingeniur Smorgonski, und dem aus der Tschechoslowakei stammenden ehemaligen Medizinstudenten Wildmann als den wichtigsten Persönlichkeiten.“ Siehe Oskar Neumann, Im Schatten des Todes, Tel Aviv 1956, S.128. 

[35] Seit September 1940 konnte in der Slowakei nur  eine Organisation der Juden und zwar Jüdische Zentrale arbeiten.

[36] ŠOKA Kremnica, Fond KNB, Karton 27, 542/42 prez.

[37] ŠOKA Kremnica, Fond KNB, Karton 27, 542/42 prez.

[38] Ders.

[39] „Der erste Kommandant dieses Lagers war der brutale Gardist Gindl, der in diesem Lager als einzigem sogar die Prügelstrafe eingeführt hatte und ein sehr strenges Regime führte.“ Siehe Oskar Neumann, Im Schatten des Todes, Tel Aviv 1956, S.128. 

[40] Am 17. 7. 1942 haben aus Žilina nach Auschwitz 127 Juden von Sosnowiec deportiert (XXIII. Tranport Žilina – Auschwitz – 17. 7. 1942). Slowakisches Nationalarchiv, Fond Innenministerium, Karton 228, ohne Nummer.  

[41] ŠOKA Kremnica, Fond NV, Karton 135, 116/1940 prez., 143, 1481/41 prez., Karton 143, 1579/41 prez. 

[42] Archív Muzea SNP in Banská Bystrica, Fond IX. S 152/81.

[43] Archiv Muzea SNP in Banská Bystrica, Fond VIII, 70/66.

[44] In allen drei Arbeitslagern wurde 3.135 Juden gearbeitet. Es bedeutet in Vyhne nur 11,61%.

[45] Archív Muzea SNP in Banská Bystrica, Fond IX. S 152/81.

 

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